Florian Kehm, M.A.

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Zur Person

seit 11/2020
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Spätmittelalterliche Geschichte und Vergleichende Landesgeschichte, Universität Mainz

04/2018-10/2020
Masterstudium der Geschichte mit Schwerpunkt Geschichte der Vormoderne an der TU Darmstadt

10/2014-04/2018
Bachelorstudium der Geschichte und Politikwissenschaft an der TU Darmstadt


Auszeichnungen

01/2022
Aretin-Preis für die beste Masterarbeit am Institut für Geschichte der TU Darmstadt 2021 für die Arbeit "Die Mühle als Gegenstand der Kunst und Literatur des Hoch- und Spätmittelalters"


Forschungsinteressen

  • Reise- und Pilgerforschung
  • Geschlechtergeschichte
  • Ideengeschichte
  • Stadtgeschichte

Dissertationsprojekt

"Geschlecht und Geschlechterrollen in (Fern-) Reiseberichten des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit" (Arbeitstitel)

Europäische Reisende des 13. bis 16. Jahrhunderts wie Marco Polo, Wilhelm von Rubruk, Ludovico di Varthema, Niccolo di Conti und viele weitere zog es aus den unterschiedlichsten Gründen in den fernen Osten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Berichte verfassten oder verfassen ließen, die Zeugnis ablegen von ihren Erlebnissen und Erfahrungen und insbesondere von ihren Begegnungen mit einer fremden Welt, fremden Kulturen und fremden Menschen. Ein von der einschlägigen Forschung bisher kaum beleuchteter Aspekt dieser Texte sind die darin wiederkehrend auftretenden Darstellungen von Geschlecht, Geschlechterrollen und Sexualität. Diese wurden bisher von der Forschung als Nebenprodukt der Sexualfantasien von Reisenden marginalisiert. Ich gehe hingegen davon aus, dass die Reisenden und Berichterstattenden mit ihren Beschreibungen fremder Menschen, deren Geschlechts und deren Sexualität spezifische Intentionen verfolgten, die weit über eine Darstellung des Orients als sexuelle Fantasie für ein männlich geprägtes europäisches Publikum hinausgeht. Vielmehr sollte daher der Frage nachgegangen werden, ob Geschlecht in diesen Berichten als ein zentrales Differenzkriterium angesehen werden kann, das bewusst eingesetzt wurde, um die Andersartigkeit, die Alterität, fremder Kulturen darzustellen. Weiterhin sollte überprüft werden, ob die Berichtschreiber auch Hinweise auf eine europäische Vorstellungswelt von Geschlecht und Geschlechterrollen geben. In diesem Sinn sollten die Reiseberichte daher nicht nur als einfache Erfahrungsbeschreibungen verstanden werden, sondern als komplexe Inszenierungen fremder Welten.
Im Rahmen meines Promotionsprojektes möchte ich diese Reiseberichte und die darin auftretenden Beschreibungen von Geschlecht und Sexualität unter der Perspektive erneut in den Blick nehmen. Dabei soll insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen der Beschreibung von Sexualität und Geschlecht einerseits und den dahinterstehenden Moral- und Ordnungsvorstellungen der Reisenden und ihres Publikums andererseits im Fokus liegen. Zentral ist hierfür die Frage, ob Sexualität und Geschlecht bewusst von den Reisenden oder ihren Redaktoren instrumentalisiert wurden. Methodisch soll diese potentiell intentionale Inszenierung unter Zuhilfenahme der historischen und sprachwissenschaftlichen Ritual- und Performativitätsforschung ergründet werden.