Im römisch-deutschen Reich des Mittelalters waren Herrschaftswechsel an der Tagesordnung. Herrschaft wurde vererbt, verkauft, verpfändet und erobert, was Folgen für die politischen Strukturen und Untertanen nach sich zog. Für Städte konnten solche Veränderungen bedeuten, dass die kommunalen Handlungsspielräume eingeschränkt oder gar der städtische Status auf den Prüfstand gestellt wurde. Im Mittelpunkt des beantragten Projekts steht daher die Frage, wie sich solche Herrschaftswechsel auf das urbane Zusammenleben auswirkten. Diese Fragestellung wird im Zeitraum von 1250–1520 am Beispiel südwestdeutscher Städte untersucht, insbesondere anhand der Städte der Grafen von Nassau, die durch Landesteilungen in neue räumliche Zusammenhänge gerieten, anhand der Städte des Erzstifts Mainz, die sich durch die Wahl ihres geistlichen Stadtherrn fortlaufend Herrschaftswechseln ausgesetzt sahen, und anhand verpfändeter Reichsstädte, die eine Transformation hin zu kurpfälzischen oder kurtrierischen Territorialstädten erfuhren. Der Vergleich dieser drei Städtegruppen bietet einen Einblick in das Spektrum städtischer Resilienz und in die Effekte von Herrschaftswechseln auf die urbane Gesellschaft.

Weitere Informationen:
Das Projekt ist im Profilbereich „40.000 Years of Human Challenges“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz angesiedelt. 

An der Spitze einer mittelalterlichen Universität stand ihr Rektor. Seine Aufgabenbereiche waren vielseitig und umfassten u. a. herrschaftliche, administrative, finanzielle und repräsentative Aspekte. So oblag es an einigen Universitäten ihm, die Matrikel zu führen, und er vertrat die Universität sowohl nach innen gegenüber der Studentenschaft und dem Lehrkörper als auch nach außen gegenüber der Kurie, weltlichen Herrschern wie dem Kaiser, Königen und Landesherren sowie städtischen Eliten. Trotz dieser zentralen Rolle in der Organisation hat sich die einschlägige Forschung bisher kaum mit den Universitätsrektoren auseinandergesetzt. Im Rahmen des Projektes soll daher die Rolle der Rektoren in der Anfangszeit der jungen Universitäten in den Blick genommen werden. Insbesondere die Zeitspanne vom 14. bis zum frühen 16. Jahrhundert ist durch eine Welle an Universitätsgründungen mit insgesamt 34 neuen Standorten in beiden Reichen und einer dementsprechend großen Zahl an neuen Rektoren gekennzeichnet. Bei der Untersuchung dieser Rektoren sollen insbesondere Fragen zu den (I) Auswahlkriterien der frühen Rektoren, (II) ihren Einflussmöglichkeiten auf die jungen Universitäten und (III) ihren sozialen Netzwerken mit Fürsten und ihren Höfen, der Kurie, anderen Universitäten, Humanistenzirkeln und städtischen Eliten im Fokus stehen.

Im römisch-deutschen Reich des Mittelalters spielten Bischöfe und Erzbischöfe als Mittler von weltlicher und geistlicher Sphäre – als Kirchenfürsten unter der Oberhoheit des Papstes einerseits und als Reichsfürsten unter der Oberhoheit des Königs andererseits – eine bedeutende Rolle. Die bisherige Forschung wurde allerdings über weite Strecken von einem nur geringen Spektrum an Paradigmen und Narrativen dominiert, wohingegen es an vergleichenden Untersuchungen mangelt. Das Projekt verfolgt daher das Ziel, die Reichsbischöfe des hohen Mittelalters als Akteure in den Mittelpunkt zu stellen und mit Hilfe des Konzepts der Handlungsspielräume zu untersuchen. Als Fallgruppe dienen dabei diejenigen Prälaten, die im Laufe ihrer Amtszeit wesentliche Grundlagen ihres Amtes etwa durch Vertreibungen oder das Wirken von Gegenbischöfen oder sogar ihr Amt selbst zum Beispiel durch Rücktritte, Absetzungen oder Mordanschläge einbüßten. Diese Fallgruppe von im weitesten Sinne gescheiterten Geistlichen erweist sich als besonders reizvoll, weil sie durch die zunehmende Einschränkung ihrer Handlungsspielräume die Relevanz derselben hervorzuheben vermag. Insgesamt wird das Projekt somit grundlegende Erkenntnisse zur hochmittelalterlichen Bischofsherrschaft zu Tage fördern und damit Einblicke in Strukturen ermöglichen, die für die mittelalterliche Gesellschaft zentral waren.

Aktuelle Publikationen:
Nina Gallion, Exemt, frei und unabhängig? Die Bischöfe von Kammin in vorreformatorischer Zeit, in: Przegląd Zachodniopomorski 33/4, 2018, S. 95–123. (online unter: https://wnus.edu.pl/pzp/pl/issue/916/).
Der Bischof im mittelalterlichen Reich. Aktuelle Forschungsansätze und Perspektiven, hg. von Nina Gallion/Frederieke M. Schnack (Studien zur Germania Sacra, Neue Folge), Berlin/Boston 2020, in Vorb.

Obwohl sich die Gender Studies innerhalb der Geschichtswissenschaft mittlerweile längst als Teildisziplin etabliert haben, stellen entsprechende Themen und Fragestellungen für die Landesgeschichte nach wie vor ein Desiderat dar. Auseinandersetzungen mit dem historischen Wirken von Frauen gibt es nur in seltenen Einzelfällen, wobei die Ergebnisse der jeweiligen Studien kaum miteinander in Bezug gesetzt werden. Das Projekt setzt sich daher zum Ziel, die Grundlagenforschung voranzutreiben und auf dieser Basis sowohl regional vergleichende Ansätze zu verfolgen als auch Perspektiven einer umfassenden, Frauen und Männer gleichermaßen integrierenden Geschlechtergeschichte zu eröffnen. In einem allerersten Schritt wurde an der Christian Albrechts-Universität zu Kiel eine Ringvorlesung veranstaltet, die ihren Fokus in epochenübergreifender Weise auf Schleswig-Holstein gesetzt hat, aber auch Anknüpfungspunkte an den Raum Südtirol eröffnete. Die Publikation der Beiträge befindet sich momentan in Vorbereitung.

Weitere Informationen:
Die Ankündigung der Publikation finden Sie hier.

Zum Pressespiegel der Ringvorlesung sehen Sie hier und hier.

Als eine der ältesten Gemeinden Rheinhessens – bereits 770 als Guileubisheim in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Lorsch erwähnt – kann Gaulsheim auf eine lange, bisher nur wenig erforschte Geschichte zurückblicken. Spätestens seit dem 17. Jahrhundert befand sich in der Ortsmitte neben Rathaus und Kirche das Gasthof „Zur Güldene Krone“, an dem Heinrich Brömser von Rüdesheim, dessen Familie das Dorf Gaulsheim seit über 200 Jahren als Lehen besaß, 1650 den namensgebenden Wappenstein, bestehend aus dem Brömser- und dem Heddesdorfer Familienwappen sowie einer Freiherrenkrone, anbringen ließ.
Ausgehend von diesem dörflichen Knotenpunkt soll die Gaulsheimer Ortsgeschichte erforscht werden. Dabei sollen u. a. das Verhältnis des Dorfes zu seinen Landesherren sowie die Auswirkungen regionaler und überregionaler Konflikte – wie z. B. des Dreißigjährigen Krieges – auf den Ort untersucht werden.

Das Projekt wird seitens des Historischen Vereins Rheinhessen von Dr. Raoul Hippchen betreut und durch Simon Seber M.A. bearbeitet. Es wird ermöglicht dank der Förderung durch Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz.

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite des Historischen Vereins Rheinhessens: Güldene Krone Gaulsheim – Historischer Verein Rheinhessen

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Europäische Reisende des 13. bis 16. Jahrhunderts wie Marco Polo, Wilhelm von Rubruk, Ludovico di Varthema, Niccolo di Conti und viele weitere zog es aus den unterschiedlichsten Gründen in den fernen Osten. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Berichte verfassten oder verfassen ließen, die Zeugnis ablegen von ihren Erlebnissen und Erfahrungen und insbesondere von ihren Begegnungen mit einer fremden Welt, fremden Kulturen und fremden Menschen. Ein von der einschlägigen Forschung bisher kaum beleuchteter Aspekt dieser Texte sind die darin wiederkehrend auftretenden Darstellungen von Geschlecht, Geschlechterrollen und Sexualität. Diese wurden bisher von der Forschung als Nebenprodukt der Sexualfantasien von Reisenden marginalisiert. Ich gehe hingegen davon aus, dass die Reisenden und Berichterstattenden mit ihren Beschreibungen fremder Menschen, deren Geschlechts und deren Sexualität spezifische Intentionen verfolgten, die weit über eine Darstellung des Orients als sexuelle Fantasie für ein männlich geprägtes europäisches Publikum hinausgeht. Vielmehr sollte daher der Frage nachgegangen werden, ob Geschlecht in diesen Berichten als ein zentrales Differenzkriterium angesehen werden kann, das bewusst eingesetzt wurde, um die Andersartigkeit, die Alterität, fremder Kulturen darzustellen. Weiterhin sollte überprüft werden, ob die Berichtschreiber auch Hinweise auf eine europäische Vorstellungswelt von Geschlecht und Geschlechterrollen geben. In diesem Sinn sollten die Reiseberichte daher nicht nur als einfache Erfahrungsbeschreibungen verstanden werden, sondern als komplexe Inszenierungen fremder Welten.
Im Rahmen meines Promotionsprojektes möchte ich diese Reiseberichte und die darin auftretenden Beschreibungen von Geschlecht und Sexualität unter der Perspektive erneut in den Blick nehmen. Dabei soll insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen der Beschreibung von Sexualität und Geschlecht einerseits und den dahinterstehenden Moral- und Ordnungsvorstellungen der Reisenden und ihres Publikums andererseits im Fokus liegen. Zentral ist hierfür die Frage, ob Sexualität und Geschlecht bewusst von den Reisenden oder ihren Redaktoren instrumentalisiert wurden. Methodisch soll diese potentiell intentionale Inszenierung unter Zuhilfenahme der historischen und sprachwissenschaftlichen Ritual- und Performativitätsforschung ergründet werden.

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Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Städte waren ein Ort des Kontaktes, aber auch der daraus resultierenden Konflikte zwischen Einheimischen und Fremden. Bürger grenzten sich selbstbewusst von Auswärtigen über ihren Eid, „Freud und Leid“ miteinander zu teilen, ab – sie waren somit Teil einer urbanen Gemeinschaft, welche sich nicht zuletzt durch den bürgerlich-kriegerisch-männlichen Habitus konstituierte, aber auch ausdrückte. Bürger waren verpflichtet, bei Auftreten von Gewalt innerhalb der Stadt einzugreifen; Dies konnte von einer Schlägerei bis zu einer Belagerung reichen. Ein Bürger definierte seine Männlichkeit über die Fähigkeit, sich, sein Haus und schließlich seine Stadt mit Waffen verteidigen zu können. Auch für die Herstellung der stets fragilen männlichen Ehre war die Fähigkeit und vor allem signalisierte Bereitschaft, zur Waffe zu greifen, um eine wahrgenommene Ehrverletzung zurückzuweisen, existentiell. Wie aber nun war der Platz von Fremden in dieser Sphäre? Wurde ihnen ein Platz in dieser kriegerisch-männlichen Domäne eingeräumt und die Fähigkeit, ihre Ehre zu verteidigen und sichtbar zur Schau zu stellen, gewährt? Um diesen Fragen nachzugehen, blickt mein Promotionsprojekt auf verschiedene Begebenheiten, in denen Fremde innerhalb einer Stadt mit Gewalt, Waffen und agonalem Kampf in Berührung kamen; Dies wären Fechtschulen, Feste von Schützengilden und die Verhandlung von Gewalt- und Ehrkonflikten vor Gericht. Anhand der drei Städte Frankfurt, Nürnberg und Augsburg, welche als Zentrum der Fecht- und Kampfkunst im Reich zählten, soll ein Einblick in den Umgang mit Fremden in diesem sonst nur Bürgern zugesprochenen Feld gewonnen werden.

Fremdheit als Selbst- oder Fremdzuschreibung ist ein akzidentieller Zustand. Als solcher ist sie nicht an feste Kategorien gebunden und bleibt, einmal zugeteilt, verhandelbar, veränderlich, endlich. Das MGRK ‚Urbane Differenzierungspotentiale‘ widmet sich in historischer Perspektive den komplexen und vielstimmigen Prozessen der kulturellen Produktion und Entwicklung von Fremdheitszuschreibungen, sozialen Grenzziehungen und Diversitätserfahrungen im Kontext urbaner Räume. 

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